Durch den Kommentar von Julian angeregt, schreibe ich hier mal zusammen wie wir bewerten, wenn wir als Käufer auftreten. Leider ist das gar nicht so einfach zu beschreiben, da wir für uns keine klaren Richtlinien aufgestellt haben und viele Faktoren die Bewertung beeinflußen.  Fangen wir einfach mal an …

Wir

– geben sofort eine negative Bewertung, wenn durch die Artikelbescheibung, Photos und Verkaufshistorie klar ist, das hier wissentlich getrickst wurde. Dazu gehören zum Beispiel geschönte Auktionsphotos, getrickste Artikelbeschreibungen usw. usw.

– treten in Kontakt mit dem Verkäufer,  wenn es ein massives Problem gibt – bspw. die Mehrzahl der Spiele sind Fälschungen/Kopien (tritt gerade im GBA Bereich sehr häufig auf) oder die Ware ist schlichtweg defekt und nicht lauffähig. Es ist unglaublich wieviel Verkäufer ihre Ware als getestet und funktionsfähig einstellen, ohne diese jemals selber eingeschaltet  zu haben. Danach hängt es davon ab, wie der Verkäufer reagiert:  Arrogant, abweisend und nicht kompromissbereit ist immer eine negative Bewertung.  Lenkt der Verkäufer ein und bietet eventuell sogar eine Rücknahme an, ist das für uns der Beweis das er nicht wissentlich diesen Fehler begangen hat. Wir verzichten dann auf die Rücksendung und auch auf die Bewertung. Manchmal einigt man sich auch auf eine Preisminderung – zumeist in einem symbolischen Bereich von ein paar Euro.

– bewerten als Käufer grundsätzlich nach Erhalt der Ware. Wenn ein Verkäufer uns vorab bspw. positiv bewertet hat, ist das ein Indiz dafür das er sich im Problemfall keiner Schuld bewußt war. Wer wäre schon so doof defekten Schrott zu verkaufen und dann auch noch vorab zu bewerten. Verkäufer die uns direkt nach Zahlungserhalt bewerten bekommen in der Regel maximal ein Neutral im Streitfall – da ich es als unfair empfinde wenn diese sich nicht mehr wehren können. Aber das gilt auch nur für die nicht harten Fälle.

– ignorieren alles andere. Verhältnissmäßig schlechter Zustand der Ware, versteckte Defekte usw. usw.  Hintergrund: Wenn man das Ganze inzwischen fünf Jahre macht, dann entwicklet man einen ganz anderen Blick für die Ware. Einen Blick den der Gelegenheitsverkäufer einfach nicht hat (nicht haben kann) und hier muß man aufpassen, um den Gelegenheitsverkäufern nicht ungerecht gegenüber zu werden.  Pseudoprivatverkäufer/Gewerbliche sind davon natürlich ausgenommen, aber in der Regel fallen diese schon vorab durch das Raster.

Das Hauptproblem: Reklamationen kosten Zeit und Nerven und das ist oft den Aufwand nicht wert. Wenn ich eins gelernt habe in den letzten Jahren, dann ist es ruhig zu bleiben und nur müde zu grinsen, wenn mir der ungefähr 100erste Verkäufer erzählt die Post wäre Schuld daran, das bspw. ein halber Liter Coca Cola in das SNES gelaufen ist  (das wäre übrigens ein Negativ, da Verarschung weil es bei ihm nicht funktionieren konnte).  Die Gratwanderung ist immer darauf ausgelegt, ob der Verkäufer uns verarscht oder einfach nur gedankenlos und unwissentlich gehandelt hat.